Kirchen um Neutrebbin

Evangelische Kirchengemeinde Neutrebbin Oderbruch

Kirche Wuschewier

Wuschewier hieß bei seiner Gründung als Koloniesiedlung im Jahre 1757 zunächst Carlsburg, wurde aber bald nach dem "Wuschewiere" genannten Fließ umbenannt, an dem das Dorf sich entlangzieht. Am Knickpunkt der Dorfstraße steht seit 1764 das Schul- und Bethaus, dessen Ursprungsbau in Fachwerk und mit Rohrdach bis auf den nördlichen Abschluss bis heute erhalten geblieben ist. Es vereinte Betsaal, Schulstube, Lehrer- und Hirtenwohnung unter einem Dach. Das langgezogene Fachwerkgebäude wurde durch Anbauten mehrmals erweitert. Zuerst ist der Betsaal nach Süden verlängert worden.

Kirche Wuschewier

1850 erfolgte ein Anbau nach Norden zur Vergrößerung der Schulstube. Schließlich wurde 1855 der Glockenturm errichtet. In ihm hängt die 1855 von J. C. Hackenschmidt, Berlin, gegossene Glocke.

1907 entstand  in unmittelbarer Nähe ein modernes Schulgebäude, worauf leider die Schulstube als Bestandteil des Ursprungsbaus abgerissen wurde. Man betritt den Kirchsaal durch einen kleinen Vorraum von der Straße aus, die ehemalige Lehrerwohnung vom Garten aus. Der Innenraum mit seinen auf sieben schlichten Stützen ruhenden Emporen überrascht durch seine Großzügigkeit. Der Fußboden ist mit roten Ziegeln belegt, während die Wände weiß und hellgrau gestrichen. Die Emporenbrüstungen tragen ein gedecktes Rot. Vor dem einfachen Altar steht der Taufstein, etwas entfernt ein einfaches Lesepult. An den Wänden hangen erneuerte Gedenktafeln für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und der beiden Weltkriege.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hingen an den Emporen teilweise volkskünstlerisch wertvolle, bunt bemalte Totentafeln und kunstvoll geflochtene Totenkronen, die nach dem Krieg leider aus dem Gotteshaus entfernt wurden. 1947 richtete das Oderhochwasser am Schul- und Bethaus schwere Schäden an. Die unteren Lehmgefache waren herausgespült und sind später mit Ziegeln neu ausgefacht worden.

Im Jahre 1958 musste die schadhafte Rohrdeckung erneuert werden. Gleichzeitig wurden die Emporenbrüstungen neben der Orgel durch Brettbaluster, ähnlich wie über dem Altar, ersetzt. Auch die 1850 von Georg Mickley in Freienwalde gebaute Orgel wurde 1959 von dem Cottbuser Orgelbauer Reinhold Klenke repariert und umdisponiert. Zur Vermeidung größerer Schäden renovierten 1975 Gemeindeglieder die Außenhülle samt Ausbesserung des Rohrdaches. 1982 erneuerten Fachleute das Dach und den Außenanstrich. 1987/88 wurde der weggesackte Turm wieder gehoben und instand gesetzt.

In den 1990er Jahren befand sich das Gebäude erneut in einem schlechten baulichen Zustand. Durch das Anwachsen des Bodens waren die Schwellen nahezu verrottet und teilweise nach außen herausgebrochen. Die Außenwände hatten sich gesenkt und zum Hausinnern geneigt. Das Dach war im Umfeld der Gaupe und entlang des Firstes nicht mehr dicht. Zur Fortsetzung der Sanierung fehlten der Kirchengemeinde die Mittel. Um aus dieser ausweglos scheinenden Situation herauszukommen, gründete sich 1995 der Förderverein Schul- und Bethaus Wuschewier e. V" Man begann mit dem Geldsammeln und hoffte einige Zeit vergeblich auf staatliche Förderung. Der damals 72-jährigen Lehrerin Ursula Hinz aus Neufahrland ist es zu verdanken, dass sich die Hamburger Hermann Reemtsma Stiftung über den Förderverein mit 400.000 Mark an der Wiederherstellung des Innenraumes beteiligte. Insgesamt kostete die Restaurierung des Wuschewierer Schul- und Bethauses 950.000 Mark.

Am 27. September 1997 fand die feierliche Wiederindienstnahme des Hauses statt. Mit der Restaurierung der Orgel (durch die Orgelwerkstatt Christian Scheffler in Sieversdorf), die am 10. 05. 1998 feierlich in Betrieb genommen wurde, war die Sanierung dieses eindrucksvollen Baudenkmals beendet.